Pfand-Eklat sorgt für Wut: Neue Regel sorgt bei Verbrauchern für Empörung
Im Supermarkt wirkt zunächst alles wie immer – doch ausgerechnet beim Pfand wird sich etwas ändern.
Kommt bald Pfand auf Gemüsegläser?
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Glaskonserven stehen in fast jedem Supermarktregal. Ob Gurken, Obst, Soßen, Senf oder eingelegtes Gemüse: Viele Produkte werden in Glasflaschen oder Schraubgläsern verkauft. Doch anders als bei vielen Joghurtgläsern aus dem Kühlregal gibt es für diese Verpackungen bislang meist kein Pfand.
Nach dem Gebrauch landen die Gläser deshalb in der Regel im Altglascontainer. Dort werden sie zwar recycelt, doch ein echtes Mehrwegsystem gibt es für viele Lebensmittel außerhalb des Kühlbereichs bisher nicht.
Genau das könnte sich bald ändern. Eine Gruppe von 24 Lebensmittelherstellern plant ein einheitliches Mehrweg-System für Glasverpackungen. Mit dabei sind bekannte Marken wie Develey und Carl Kühne. Für Verbraucherinnen und Verbraucher könnte das beim Einkauf eine spürbare Veränderung bedeuten.
Warum Hersteller jetzt umdenken
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Der geplante Systemwechsel kommt nicht zufällig. Laut einer
gemeinsamen Mitteilung der beteiligten Unternehmen spielen vor allem wirtschaftliche Gründe eine wichtige Rolle. Einwegglas wird für Hersteller zunehmend teurer.
Der steigende CO2-Industriepreis sowie höhere Lizenzkosten für die Entsorgung machen das bisherige Verpackungsmodell weniger attraktiv. Für viele Unternehmen wird die Frage deshalb wichtiger, ob Glasverpackungen künftig nicht öfter wiederverwendet statt nur recycelt werden sollten.
Timm Reichold, Geschäftsführer von Feinkost Dittmann, sieht in der neuen Allianz eine Chance auf „mehr Planungssicherheit und Stabilität bei Verpackungen“. Hinter dem Vorstoß steckt also nicht nur ein ökologischer Gedanke, sondern auch der Wunsch nach berechenbareren Kosten.
Dieses Start-up soll das Mehrwegsystem organisieren
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Für die praktische Umsetzung arbeiten die Lebensmittelhersteller mit dem Berliner Start-up Dotch zusammen. Das Unternehmen ist auf Mehrwegsysteme für Verpackungen spezialisiert und betreibt ein solches Modell bereits im Bio-Fachhandel.
Nach Angaben der Lebensmittelzeitung hat Dotch derzeit knapp 750.000 Flaschen im Umlauf. Das Unternehmen kümmert sich dabei um die gesamte
Logistikkette: Bereitstellung, Transport, Reinigung und Rückführung der Behälter.
Für die Hersteller bedeutet das: Sie müssen die Mehrwegstruktur nicht selbst komplett aufbauen. Stattdessen zahlen sie eine Nutzungsgebühr sowie den jeweiligen Pfandwert. Das Modell soll es ermöglichen, Gläser und Flaschen mehrfach zu verwenden, bevor sie irgendwann endgültig recycelt werden.
So hoch soll das neue Pfand ausfallen
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Das geplante Pfandsystem würde ähnlich funktionieren wie das bereits bekannte Flaschenpfand. Kundinnen und Kunden zahlen beim Kauf einen zusätzlichen Betrag und bekommen diesen zurück, wenn sie das leere Glas oder die Flasche wieder abgeben.
Konkret sind nach bisherigen Plänen 50 Cent Pfand für Glasflaschen vorgesehen. Für Schraubgläser sollen 25 Cent fällig werden. Der Pfandbetrag gilt für die Unternehmen buchhalterisch als durchlaufender Posten und darf nicht als Gewinn verbucht werden.
Betroffen wären zahlreiche Alltagsprodukte. Dazu zählen etwa Obst- und Gemüsekonserven, Senf, Soßen, Speiseöl, Essig und Sirup. Damit könnte das neue System viele Bereiche
des Supermarktregals verändern – nicht nur einzelne Spezialprodukte.
Rückgabe soll bei vielen Händlern möglich sein
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Ein großer Vorteil des geplanten Modells liegt in seiner Offenheit. Da einheitliche Standardflaschen und Standardgläser genutzt werden sollen, müssten Kundinnen und Kunden die Verpackung nicht zwingend dort zurückgeben, wo sie das Produkt gekauft haben.
Wer ein entsprechendes Mehrwegglas bei einem Händler kauft, soll es bei jedem teilnehmenden Geschäft wieder abgeben können, sofern dieses die passenden Behälter im Sortiment führt. Das könnte die Rückgabe im Alltag deutlich einfacher machen.
Zu den Unternehmen, die auf das System setzen wollen, gehören unter anderem Alfred Paulsen, Andros, Bauck Mühle, Bio Planéte, Brändle, Brökelmann, Carl Kühne, Develey, Feinkost Dittmann, Henry Lamotte, Jordan, Marschland, Monin sowie mehrere Ölmühlen und Regionalhändler. Für den Handel ist das ein klares Signal: Das Interesse an Mehrweg-Glas wächst.
Glas ist nicht automatisch die bessere Lösung
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Ganz ohne Herausforderungen ist
die Umstellung jedoch nicht. Vor allem die Logistik für Leergut kann teuer werden. Isabella Kuhl, Leiterin des Qualitätsmanagements bei Alnatura, bezeichnet den Schritt gegenüber der Lebensmittelzeitung trotzdem als „Investition in die Zukunft“. Zugleich räumt sie ein: „Herausfordernd bei neuen Systemen ist, dass die Kunden die Gebinde noch nicht kennen.“
Auch Dennree berichtet, dass Pfandflaschen „sehr gut“ angenommen worden seien. Allerdings sei der Rücklauf im Verhältnis zum Verkauf „noch nicht ausreichend hoch“. Genau daran dürfte sich entscheiden, wie erfolgreich das neue System wird.
Denn Glas ist nicht automatisch klimafreundlicher als Kunststoff. Der Nabu weist darauf hin: „Die Glasherstellung beinhaltet einen Schmelzprozess bei sehr hohen Temperaturen, der auf dem Einsatz fossiler Brennstoffe basiert.“ Außerdem verursachen schwere Glasbehälter beim Transport mehr Emissionen. Mehrweggläser könnten diese Bilanz jedoch verbessern – vorausgesetzt, sie werden oft genug zurückgegeben und wiederverwendet. Genau darauf setzt die neue Herstellerallianz.











